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Die Idee kam nicht über Nacht. Der Wechsel war aber im Kopf wohl unbewusst schon lange vollzogen. Was mich zunächst noch daran hinderte, den Banker in mir so einfach auszuknipsen und in den Journalismus einzutreten, war meine Vorbildung. Die war doch von Kopf bis Fuß auf Wirtschaft eingestellt, wenn man mal von den mehr privaten Studien der Medizin absieht. Es bedurfte einer Initialzündung, um meine Zweifel auszuräumen und alle vermeintlichen Widerstände zu ignorieren. Und diese Zündung kam in Gestalt eines flämischen Autors. Was war geschehen? Ich wohnte zu der Zeit bei einer Wirtin Wunderlich". Wir Untermieter nannten sie auch Kognak-Jette", weil sie ihr billiges Gesöff immer in Einwickelpapier beließ, um die Menge ihres Tageskonsums nicht preiszugeben. Zu ihren besonderen Eigenarten zählte auch der Umgang mit ihrem Rauhaardackel Hexe". Sie fütterte den armen Hund immer mit Dosenmilch und redete ihm ein: Glaub mir, Hexe, wir leben kurz, aber gut." Sie wurde 96, der Hund nur schlappe fünf Jahre. Nicht selten zu Besuch kam ihre Tochter aus Brüssel und deren Mann, der bereits erwähnte flämische Autor. Ich bewunderte diesen Mann, obwohl ich noch keine Zeile von ihm gelesen hatte. Er wurde mir ein väterlicher Freund, der mich in alle Belange der Schriftstellerei einweihte. Schließlich machten wir uns gemeinsam an die Arbeit, die ersten Seiten seines neuesten Werkes ins Deutsche zu übersetzen. Er lieferte mir eine Stegreifübersetzung, ich verfeinerte und bastelte so lange, bis die neue deutsche Fassung nach Inhalt und Atmosphäre der flämischen Urfassung entsprach. Es war ein Spaß ohne Ende. Doch dann näherte sich der Tag seiner Abreise. Mein Freund verpasste mir noch schnell einen Crashkurs in Flämisch, drückte mir ein Wörterbuch und ein Exemplar seiner Neuerscheinung in die Hand und wünschte mir frohes Schaffen". Wir schrieben das Jahr 1967. In Kapstadt pflanzte Professor Barnard einem Patienten das Herz einer tödlich verunglückten 25jährigen Frau ein. Nun saß ich Nacht für Nacht über meinem Manuskript und wog wie ein Apotheker Worte und Phrasen ab, um genau den Ton zu treffen, den der Autor beabsichtigt hatte. Eine mehr wörtliche Übersetzung wäre nicht schwer gewesen. Schließlich war ich im Emsland, nahe der niederländischen Grenze, aufgewachsen, wo Plattdeutsch und Niederländisch (was dem Flämischen sehr ähnlich ist) nahtlos zusammenfließen. Mein Ehrgeiz war grenzenlos. Ich wollte die Seele des Buches erreichen. Es gelang offenbar. Nach einigen vergeblichen Anläufen druckte eine Hamburger Zeitung die Übersetzung in Fortsetzungen ab. Das war die Initialzündung, die mein neues Lebensziel bestimmte und zu der Aussage führte: Mein Leben ist nicht die Zahl, sondern das Wort. Basta! |